Our specialty has always had a strong interest in gender questions, as the onset of psychiatric and neuropsychiatric illnesses showing clear differences between the biological sexes during childhood and adolescence. However, over the last years it has become clear that it is important to re-review known patterns and our clinical focus because adolescent girls are the group that show a steep increase of mental health problems. Moreover, it is timely to also focus on questions of gender identity and the whole sex/gender entity spectrum when learning about the importance of gender for preventive measures that facilitate mental well-being in young people.
In this symposium, we will start out with biological sex-differences during brain-development, to then explore sex/gender differences in the personality function of adolescents, as well as gender-typical behaviors in the internet. Finally, we will discuss the new guidelines for gender-incongruence and their application in our clinics.
Every presenter will present in her/his own language, the slides and discussion will be in English.
11:45 Uhr
Sex-differences in brain multimodal estimates of white matter microstructure during early adolescence: investigating the role of biological factors
Daniella Dwir | Center for Psychiatric Neuroscience, Department of Psychiatry, Lausanne University Hospital (CHUV) | Switzerland
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Autoren:
Daniella Dwir | Center for Psychiatric Neuroscience, Department of Psychiatry, Lausanne University Hospital (CHUV) | Switzerland
Zoé Schilliger
Tommaso Pavan
Aleman-Gomez Yasser
Pascal Steullet
Pierre-Alain Binz
Dr Camille Piguet
Arnaud Merglen
Kim Do
Philippe Conus
Ileana Jelescu
Prof. Dr. Paul Klauser
Adolescence is characterized by significant maturation of brain white matter microstructure, with evidence for sex-specific maturation trajectories. Most studies have examined conventional diffusion tensor imaging (DTI) metrics, which may not be as sensitive to underlying tissue changes. In this study, we characterized sex differences in white matter microstructure cross-sectionally using both conventional DTI and advanced diffusion spectrum imaging (DSI), diffusion kurtosis imaging (DKI), and white matter tract integrity-Watson (WMTI-W)) diffusion models. We also aimed to investigate the sex-specific effect of age and biological systems that undergo sex-specific changes during adolescence, namely pubertal hormones, HPA axis function and glutathione redox cycle. The results indicate widespread sex differences in all derived metrics, suggesting more advanced maturation in females compared to males, as well as different tissue changes underlying white matter maturation between males and females during this narrow developmental window. In addition, the three biological factors examined appeared to be specifically associated with indices of white matter maturation in females, highlighting this period as critical for female white matter development and sensitivity to environmental factors.
12:00 Uhr
Geschlechtsunterschiede im Funktionsniveau der Persönlichkeit bei jugendlichen Patient*innen
Dr. Marialuisa Cavelti | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Bern, Bern, Schweiz
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Autoren:
Dr. Marialuisa Cavelti | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Bern, Bern, Schweiz
Jana Schenk
Silvano Sele
Reichl Corinna
Prof. Dr. Ines Mürner-Lavanchy
Prof. Dr. Julian Koenig
Prof. Dr. med. Michael Kaess
Einleitung: Bei der Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen vollzieht sich ein Paradigmenwechsel von kategorialen zu dimensionalen Ansätzen. Ein Beispiel hierfür ist das Alternative Modell für Persönlichkeitsstörungen im DSM-5, das Persönlichkeitsstörungen anhand des Schweregrads der Beeinträchtigung im Funktionsniveau der Persönlichkeit definiert (Kriterium A), wobei selbst- und zwischenmenschliche Funktionen unterschieden werden. Die vorliegende Studie untersuchte geschlechtsspezifische Unterschiede in den Persönlichkeitsfunktionen innerhalb einer klinischen Stichprobe jugendlicher Patient*innen.
Methoden: In die Studie wurden 498 Patient*innen (Durchschnittsalter: 15.41 Jahre; 79.12% weiblich) der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern (48.8 % stationär, 51.2 % ambulant) einbezogen. Bei Klinikeintritt wurden Geschlecht, Alter und Beeinträchtigung im Funktionsniveau der Persönlichkeit anhand des Strukturierten Interviews für die DSM-5 Persönlichkeitsfunktionen (STiP-5.1) erfasst. Die Geschlechtsunterschiede in den Persönlichkeitsfunktionen wurden mittels logistischer Regression untersucht, wobei das Alters als Kontrollvariable mitberücksichtigt wurde.
Ergebnisse: Weibliche Teilnehmende waren im Durchschnitt älter (β = 0.05, p = 0.04, d = 0.30) und wiesen eine stärkere Beeinträchtigung im Funktionsniveau der Persönlichkeit auf (β = -0.22, p = 0.006, d = 0.30) als männliche Teilnehmende. Insbesondere bei den Selbstfunktionen zeigte sich ein deutlicher Geschlechtsunterschied (β = -0.39, p < .001, d = 0.46), während bei den interpersonellen Funktionen kein solcher Unterschied festgestellt wurde.
Fazit und Ausblick: Die Ergebnisse unterstreichen geschlechtsspezifische Unterschiede in den Persönlichkeitsfunktionen bei jugendlicher Patient*innen, wobei Mädchen stärkere Beeinträchtigung in den Selbstfunktionen aufwiesen als Jungen. Diese Befunde sind konsistent mit früheren Studien, die aufzeigen, dass Mädchen häufiger internalisierende Psychopathologien aufweisen als Jungen. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit weiterer Forschung zu den bio-psycho-sozialen Faktoren, die diese Geschlechtsunterschiede bedingen, sowie der Entwicklung geschlechtssensitiver Frühinterventionsansätze für Persönlichkeitsstörungen.
12:15 Uhr
Gender- und Cybermediennutzung – epidemiologische und klinische Aspekte
Dr. med. Oliver Bilke-Hentsch | Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrie Luzern | Switzerland
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Autoren:
Dr. med. Oliver Bilke-Hentsch | Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrie Luzern | Switzerland
Dr. Kai Müller
Prof. Dr. Kerstin von Plessen
Die pathologische oder dysfunktionale Nutzung von elektronischen Medien, mittlerweile in DSM 5 und ICD-11 als «Medien Nutzungsstörung» klassifiziert, schien vor einigen Jahren fast ausschliesslich Jungen und junge Männer zu betreffen, die z.B. an einer sogenannten Internet gaming disorder litten.
Diese Einschätzung ist einerseits durch die mediale Berichterstattung selbst zu erklären, andererseits durch die Tatsache, dass sich bei Beratungs- und Therapieangeboten fast nur diese Geschlechtsgruppe gezeigt hat.
Frühe epidemiologischen Studien wie beispielweise die grundlegende PINTA-Studie zeigten aber eine fast doppelt so hohe Prävalenz von Internetnutzungsstörungen bei Mädchen und jungen Frauen, hier allerdings ganz stark im Bereich der sozialen Medien. Dieser Problematik wurde etwa sei 2015 höhere Aufmerksamkeit geschenkt, so dass eine scheinbare Dichotomie zwischen dem gamenden jungen Mann und der Social Media nutzenden jungen Frau entstand. Mittlerweile sind durch neue Glücksspielaspekte (Loot-Boxen als Beispiel) aber auch vielfältige Verschränkungen von pornografischen Inhalten, Sportwetten etc. etc. komplexe Nutzungsmuster bei beiden Geschlechtern zu finden; Befunde zu non-binären Personen liegen kaum vor.
Für die Praxis wichtig ist neben der Kenntnis der dysfunktionalen Nutzungsmustern vor allem die Tatsache, dass Mädchen und junge Frauen sich gehäuft wegen anderer psychischer Störungen wie z. B. Depression bereits in Psychotherapie befinden, die TherapeutInnen aber nicht (systematisch) nach dieser Thematik fragen.
Die Funktionsmuster scheinen bei Jungen und jungen Männern stärker auf Belohnungsaktivierung ausgelegt sein, bei Mädchen und jungen Frauen stärker auf Konfliktlöse-und Konfliktvermeidungsstrategien.
12:30 Uhr
Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz
KD Dr. med. Dagmar Pauli | Psychiatrische Universitätsklinik Zürich | Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie | Switzerland
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Autoren:
KD Dr. med. Dagmar Pauli | Psychiatrische Universitätsklinik Zürich | Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie | Switzerland
Schenker Tanja
Manuela Lutz
Camille Ammann
Lukas Smigielski
Einleitung: Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist herausfordernd und wird kontrovers debattiert. Die neue AWMF S2k Leitlinie ist im Frühjahr 2024 erschienen und gibt Anhaltspunkte für Diagnostik, Psychotherapie, Arbeit mit der Familie und Indikationsstellung von medizinischen Behandlungen. Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz leiden häufig unter psychischen Begleitstörungen wie Depression, Angst oder Essstörungen. Bisherige Verlaufsstudien zeigen positive Auswirkungen von geschlechtsaffirmativen medizinischen Behandlungen, wobei die Evidenzlage noch gering ist.
Methode: Eine konsekutive Stichprobe von inzwischen 105 Jugendlichen wurde in der Sprechstunde für Geschlechtsinkongruenz der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich evaluiert (T0) und wird jährlich mit einer Fragebogenbatterie untersucht (maximal T4). Die Diagnostik umfasst unter anderem die Geschlechtsdysphorie (Utrechter Gender Dysphoria Scale), die Lebenszufriedenheit (Kidscreen27), die Psychopathologie (YSR), die Körperzufriedenheit (Body Image Scale BIS) sowie die Behandlungszufriedenheit.
Ergebnisse: 70% der untersuchten Stichprobe wurden bei Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet. Eine Vergleichsstudie mit Stichproben aus England, den Niederlanden und Belgien zu T0 ergab eine höhere psychopathologische Belastung der Jugendlichen aus der Schweiz im CBCL sowie schlechtere Werte auf der Peer Relation Scale vor Beginn der Behandlung. Eine Untersuchung der Körperzufriedenheit zeigte, dass diese bei den behandelten Jugendlichen im Verlauf von zwei Jahren verbesserte, während die Psychopathologie erst im Verlauf von drei Jahren signifikante Verbesserungen aufwies. Moderierend für eine Verbesserung zeigt sich die soziale Transition sowie die positive Unterstützung durch die Familie.
Diskussion: Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz sind eine psychisch belastete Gruppe. Die neuen Leitlinien enthalten Hinweise für die fachgerechte Abklärung und Behandlung. Die Evidenzlage hinsichtlich der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsinkongruenz ist noch gering und erfordert dringend weitere Verlaufsstudien.
12:45 Uhr
Que deviennent les jeunes trans demandant un traitement médical ? Présentation d’un monitorage clinique et de recherche
Dr. Mathilde Morisod | Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) | Switzerland
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Autoren:
Dr. Mathilde Morisod | Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) | Switzerland
Julie Allegra
PD Dr Sébastien Urben
La consultation spécialisée « Identités de genre » est née de l’augmentation chez les mineurs du nombre de demandes liées à des questionnements au sujet de leur identités de genre (multiplié par 8 ces 5 dernières années).
Basé sur les recommandations de la World Professional Association for Transgender Health, notre travail s’effectue en équipe multidisciplinaire avec les professionnel·le·x·s impliqué·e·x·s dans le réseau médico-psychologique des jeunes et notamment les pédiatres (DISA) et l’endocrinologie pédiatrique du CHUV, lorsque des demandes d’affirmation médicale sont en jeu.
Dès lors, des interrogations cliniques et éthiques surgissent autour de la prise en charge et des perspectives d’évolution des trajectoires de transidentité en âge développemental. Celles-ci ont des temporalités particulières et demandent à être pensées dans un positionnement clinique tenant compte des possibles comorbidités et dans une démarche de recherche.
Dans cette perspective, nous avons, dès Janvier 2023, constitué au sein de notre unité de pédopsychiatrie de liaison un registre de pilotage clinique afin de suivre notre cohorte. Nous présenterons le dispositif mis en place afin de monitorer le flux de patient.e.x et la clinique pendant toute la durée des prises en charge. Le monitoring a pour but, à travers des questionnaires spécifiques, d’explorer les éventuelles co- occurrences. Les domaines investigués sont : la complexité bio-psycho-sociale (Intermed), l’autisme (Social Communication Questionary), les troubles alimentaires (Eating Disorder Questionary, la psychose (Prodromal Questionnary), le sentiment d’incongruence de genre (Transgender Congruence Scale), l’anxiété et la dépression (Depression, Anxiety and Stress Scale, Strenght and difficulties questionnaire), la qualité de vie (Kidscreen21), et l’estime de soi (Body Esteem Scale). Ces questionnaires sont renseignés par et avec les patients et leurs parents lors des premiers entretiens, puis en outsourcing dans une évaluation à distance chaque année, afin de voir leur évolution.
Nous présenterons les modalités mêmes de la mise en place du dispositif de monitorage ainsi que quelques résultats préliminaires. Nous discuterons de l’intérêt clinique de l’outil dans les entretiens avec les patients et leurs familles. Finalement, nous évoquerons les enjeux autour des questions de genre et des pathologies psychiatriques possiblement associées chez nos patient.e.x mineur.e.x.