Autoren:
Dr. Marialuisa Cavelti | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern | Switzerland
Madelyn Thomson | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern | Switzerland
Nora Seiffert | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern | Switzerland
Yasmine Blaha | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern | Switzerland
Christian Hertel | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern | Switzerland
Dr. Stefan Lerch | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern | Switzerland
Prof. Dr. phil. Thomas Berger | Universität Bern, Institut für Psychologie | Switzerland
Prof. Dr. Julian Koenig | Universität Köln | Germany
PD Dr. Corinna Reichl | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern | Switzerland
Prof. Dr. med. Michael Kaess | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Bern | Switzerland
Einleitung: Die jüngste Forschung unterstreicht die Effektivität strukturierter psychologischer Therapien bei Jugendlichen mit Symptomen oder einer erstmaligen Diagnose der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). In diesem Vortrag werden aktuelle Erkenntnisse zum Einfluss verschiedener Faktoren auf die Wirksamkeit von Frühinterventionen präsentiert: das Alter bei Therapiebeginn, das Setting (ambulant vs. stationär) und den Einsatz eines Stepped-Care-Ansatzes.
Methoden: Es wurden Patient*innen zweier Spezialambulanzen für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren mit risikoreichem und selbstverletzendem Verhalten (AtR!Sk) in Heidelberg, Deutschland, und Bern, Schweiz, in die Studien eingeschlossen. Diese Ambulanzen bieten eine umfassende Diagnostik, einschließlich der Untersuchung auf Persönlichkeitspathologien, und folgen einem evidenzbasierten, gestuften Therapiekonzept. Dieses beginnt mit einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Kurzzeittherapie ("Cutting Down") und geht bei Bedarf in eine dialektisch-behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A) über. Zu Beginn der Behandlung sowie nach ein und zwei Jahren wurden die BPS-Kriterien nach DSM-IV, komorbide psychische Störungen, psychosoziale Funktionsdefizite und die Therapiedosis (Anzahl ambulanter Sitzungen und stationärer Tage) erfasst.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen alters- und settingabhängige Therapieeffekte: Bei älteren Jugendlichen wurde eine Reduktion der BPS-Symptomatik festgestellt, während bei jüngeren die erwartete Zunahme der Symptomatik abgeschwächt wurde. Patient*innen, die ausschließlich ambulant behandelt wurden, zeigten in bestimmten psychopathologischen Maßen und in ihrer Funktionsfähigkeit eine schnellere Verbesserung im Vergleich zu jenen mit zusätzlicher stationärer Therapie. Die empirischen Daten bestätigen zudem das gewählte Entscheidungskriterium (≥ 3 BPS Kriterien & Zan-BPD-Wert ≥ 6) für den Übergang von "Cutting Down" zu DBT-A.
Fazit und Ausblick: Die Befunde stützen die Empfehlungen der Frühintervention der BPS ab dem 12. Lebensjahr entsprechend des Prinzips «ambulant vor stationär» und legen nahe, dass ein gestuftes Vorgehen, das dem Bedürfnis von Jugendlichen nach kurzen Therapien sowie den knappen therapeutischen Ressourcen Rechnung trägt, hilfreich sein kann.