Das klinisch relevante Konzept der indizierten Prävention/Frühintervention wird in Bezug auf belastende Kindheitsereignisse (ACE) dargestellt. Zentral ist dabei, dass die Kumulation von Belastungen wie unterschiedliche Formen der Kindesmisshandlung und Vernachlässigung oder Belastungen in der Herkunftsfamilie relevant für das Coping mit weiteren Belastungen und für potenzielle Folgeerkrankungen bzw. Resilienz ist. Frühkindliche Bindungserfahrungen und Rehabilitationsfähigkeit wirken sich protektiv aus. Massive frühe Vernachlässigung und emotionale Misshandlungen auch unter Peers oder Geschwistern sind klinisch relevante Belastungsfaktoren. Technologiegestürzte digitale Formen von Übergriffen, Cybermobbing etc., werden teilweise heute klinisch noch zu wenig beachtet. Stigma und vor allem Selbststigmatisierung führen bei den Betroffenen zusätzlich zu den Belastungsreaktionen häufig zu sozialem Rückzug und zunehmenden Teilhabedefiziten. Dies unterstreicht die entwicklungspsychopathologische Bedeutung früher Interventionen: Prävention kann in unterstützender, ja heilender Weise, in den Entwicklungsverlauf eingreifen.