Psychische Belastungen bei Jugendlichen haben stark zugenommen und jugendpsychiatrische Versorgungsengpässe belasten Betroffene, Angehörige, Schulen, Betriebe und involvierte Fachpersonen. In dieser Situation gilt es, Versorgung und Prävention zu verbessern. Dieses Symposium beleuchtet dazu die Chancen der interprofessionellen Zusammenarbeit für die Arbeit der Kinder- und Jugendpsychiater:innen.
Nach einem kurzen Überblick über die aktuelle Datenlage, werden zentrale Aspekte aktueller Handlungsempfehlungen und Initiativen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit und Versorgung vorgestellt. Als konkreter Ansatzpunkt für Massnahmen wird die interprofessionelle Zusammenarbeit fokussiert. Dazu wird das interprofessionelle Expert:innen Forum Psychische Gesundheit Jugend EFPJU als good practice Beispiel vorgestellt. In Kleingruppen werden dann die Umsetzungsmöglichkeiten in den Kantonen und weitere Ideen diskutiert.
11:45 Uhr
Die aktuelle Situation der Jugendlichen und Empfehlungen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit und Versorgung
Prof. Dr. Frank Wieber | Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW | Switzerland
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Prof. Dr. Frank Wieber | Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW | Switzerland
Der Beitrag startet mit einem kurzen Überblick über die aktuelle Datenlage der psychischen Gesundheit bei Jugendlichen in der Schweiz. Unter anderem werden die relevantesten Daten der HBSC- und SGB-Studien 2022 vorgestellt. Im Anschluss werden zentrale Inhalte aus Handlungsempfehlungen und Initiativen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit und Versorgung betrachtet, beispielsweise das EKKJ-Positionspapier für eine nachhaltige Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen oder die Handlungsempfehlungen des Zukunftsrat U24.
Darauf aufbauend fokussieren wir auf die interprofessionelle Zusammenarbeit als Ansatzpunkt für konkrete Massnahmen. Auch hier stellen wir grundlegende Konzepte und aktuelle Empfehlungen vor, wie beispielsweise den Schlussbericht des Projekts «Versorgungspfade in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen» aus dem BAG Förderprogramm Interprofessionalität, welches auf die Wichtigkeit und Potentiale von Vernetzungsmöglichkeiten auf institutioneller, organisatorischer, funktioneller und persönlicher Ebene hinweist.
Vor der Überleitung zum zweiten Beitrag, in dem das Berner Modell «Interprofessionelles Expert:innen Forum Psychische Gesundheit Jugendlicher (EFPJU)» als Good Practice Modell vorgestellt und diskutiert wird, werden abschliessend noch bestehende lokale Projekte zur Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit im Bereich der psychischen Gesundheit betrachtet, wie beispielsweise das Projekt GUSTAF zur settingübergreifenden Vernetzung für die Früherkennung von Belastungssituationen in Familien oder das Modell der «infirmière scolaire», das in der Romandie verbreitet und bewährt ist.
12:00 Uhr
Das Berner Modell EFPJU vernetzt wichtige Akteure der Versorgungskette und nützt die Ressourcen interprofessioneller Zusammenarbeit im Bereich Youth Mental Health
Dr. med. Cornelia Hediger | Vorstandsmitglied Bernische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie BGKJPP | Switzerland
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Dr. med. Cornelia Hediger | Vorstandsmitglied Bernische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie BGKJPP | Switzerland
Im Beitrag wird als konkretes Good Practice Beispiel zur Verbesserung der psychischen Gesundheit und der Versorgung Jugendlicher das interprofessionelle Expert:innen Forum Psychische Gesundheit Jugend (EFPJU) vorgestellt, welches sich im Kanton Bern formiert hat.
Ziel des EFPJU ist es, die Vernetzung der Akteure im Bereich der psychischen Gesundheit der Jugend zu verbessern. Das Forum richtet sich dazu an verschiedene Berufsdisziplinen, die besser zusammenspannen sollen. Nebst Vertreter:innen aus psychiatrischen, psychologischen sowie haus-/kinderärztlichen Fachorganisationen engagieren sich auch Fachleute aus Pädagogik, Jugend- und Sozialarbeit sowie aus dem Public-Health-Sektor. Aktuell tauschen sich rund 40 Organisationen aus den Sektoren Gesundheit, Bildung, Soziales und Sicherheit dreimal jährlich in den EFPJU Foren im Kanton Bern aus, welche durch ein interprofessionelles Projektteam organisiert werden.
Neben der Vernetzung und Sensibilisierung werden dank den Foren konkrete Massnahmen erarbeitet. So wurden Verbesserungen der Lehrpersonen-Weiterbildung initiiert und Peer-to-Peer Projekte zur Förderung der mentalen Gesundheitskompetenz in Schulen.
Besonders relevant für die Kinder- und Jugendpsychiatrie können Ansätze sein wie Absprachen von SPD und KJPD zur effizienten Zusammenarbeit sowie Support durch Schulsozialarbeit oder Kinderspitex. Diese können bei Koordination und Fallführung unterstützen und so die Kinder- und Jugendpsychiater:innen entlasten.
So schlägt das EFPJU die Brücke von der Gesundheitsförderung, Prävention über die Behandlung bis zur Rehabilitation und vereint wichtige Akteure der Versorgungskette Youth Mental Health.
Nach der EFPJU-Vorstellung werden in Gruppen die Vor- und Nachteile und die Möglichkeiten einer interprofessionellen Vernetzung und Zusammenarbeit als Massnahme gegen die zunehmenden Belastungen und Störungen der psychischen Gesundheit im Jugendalter diskutiert und Ideen zur Linderung der Versorgungskrise ausgetauscht, gesammelt und priorisiert.