Auteurs:
Giulia Rinaldi | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Bern | Switzerland
Dr. Stefan Lerch | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Bern
Frauke Schultze-Lutter | Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf | Germany
Prof. Dr. Stefanie J. Schmidt | Abteilung für klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters, Universität Bern | Switzerland
Dr. Marialuisa Cavelti | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Bern | Switzerland
Prof. Dr. med. Michael Kaess | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Bern | Switzerland
PD Dr. phil. Chantal Michel | Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Bern | Switzerland
Einleitung: Über die Einschätzung drohender psychotischer Störungen hinaus, sind CHR-Symptome klinisch relevant durch ihre Assoziation mit anderen psychischen Störungen, Persönlichkeitsstörungen und –Merkmalen, sowie Einbussen im psychosozialen Funktionsniveau. Ebenso sind kognitive Verzerrungen mit der Entstehung psychotischer Störungen, mit allgemeiner Psychopathologie und Persönlichkeitsfaktoren assoziiert. In dieser Studie untersuchten wir den Einfluss von kognitiven Verzerrungen und dem in diesem Kontext bisher untererforschten Persönlichkeitsfunktionsniveau auf perzeptive (P-CHR) und nicht-perzeptive (NP-CHR) CHR-Symptome.
Methoden: Im Rahmen einer Allgemeinbevölkerungsstudie befragten wir 444 Teilnehmende (17-60 Jahre, 61.8% weiblich) mittels eines klinischen Telefoninterviews und online Fragebögen. Wir analysierten den Einfluss von aktueller Psychopathologie, kognitiven Verzerrungen, Persönlichkeits- und psychosozialem Funktionsniveau auf die Wahrscheinlichkeit und Ausprägung von CHR-, P-CHR- und NP-CHR-Symptomen mittels dreier Zero-Inflated Poisson Modelle.
Ergebnisse: Bei stärkeren kognitiven Verzerrungen war die Präsenz von CHR- bzw. P-CHR-Symptomen wahrscheinlicher. Zudem waren sie mit ausgeprägteren CHR- und NP-CHR-Symptomen assoziiert. Mehr Einbusse im Persönlichkeitsfunktionsniveau, sowie tiefere psychosoziales Funktionsniveau und Bildungsniveau, korrelierten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, NP-CHR-Symptome zu zeigen. Darüber hinaus war bei ausgeprägterer Psychopathologie die Präsenz von CHR-, P-CHR und NP-CHR-Symptomen wahrscheinlicher. Letztlich waren P-CHR- und CHR-Symptome stärker ausgeprägt bei jüngeren, sowie CHR-Symptome bei weiblichen Teilnehmenden.
Fazit & Ausblick: Unsere Resultate unterstützen die klinische Relevanz von CHR-Symptomen über die indizierte Prävention für psychotische Störungen hinaus durch ihre Assoziation zu verschiedenen Faktoren der psychischen Gesundheit. Diesen Ergebnissen zufolge beeinflussen kognitive Verzerrungen und Einbusse im Persönlichkeitsfunktionsniveau die Präsenz und Ausprägung von CHR-Symptomen in nicht-hilfesuchenden Populationen, und tragen dabei zu unterschiedlichen Expressionsmustern von P-CHR- und NP-CHR-Symptomen bei. Daher könnten sie wichtige Interventionsziele für die Förderung psychischer Gesundheit darstellen und in der Frühbehandlung gezielt eigesetzt werden. Künftige Studien sollten diese Zusammenhänge längschnittlich erforschen um deren Kausalität und Direktionalität zu klären.