Die Transitionspsychiatrie hat Antworten zu finden auf die erhebliche Krise der mentalen Gesundheit bei der "Generation Z", sowohl im präventiven , im ambulanten und im stationären Setting. Auf dem Boden jahrzehntelanger Erfahrungen der Modelle in Winterthur und Heidelberg in diesem Bereich werden bewährte und innovative deutsch-schweizer Konzepte vorgestellt und diskutiert.
14:30 heure
Das Heidelberger Adoleszenten-Projekt – Ein 20jähriger Erfahrungsbericht
Eginhard Koch | Luzerner Psychiatrie | Switzerland
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Auteurs:
Eginhard Koch | Luzerner Psychiatrie | Switzerland
Prof. Dr.em. Franz Resch | Universität Heidelberg
Die Entwicklungsphase der Adoleszenz hat sich deutlich in die zweite Lebensdekade verlängert. Dies ist durch eine Verkomplizierung des Übergangs vom Jugend- in das Erwachsenenalter gekennzeichnet („Emerging Adulthood”). Da die Zuständigkeit durch das formale Kriterium des Erreichens des 18. Lebensjahres zwischen den Institutionen definiert wird, kann es zu ungünstigen Diskontinuitäten, Milieubrüchen und Stilwechseln in der Versorgung kommen. Bereits in den 90er Jahren entwickelte sich in Heidelberg aus einer Kooperation der Klinik für Allgemeine Psychiatrie mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie die Idee für ein gemeinsames Behandlungszentrum. Eine Konzeptgruppe, die interdisziplinär angelegt war, konnte schließlich 2003 ein Behandlungskonzept für das Heidelberger Frühbehandlungszentrum erstellen. Diese damals in Deutschland erste interdisziplinäre Station erfüllte alle Kriterien einer verbesserten Versorgungslage im Altersbereich der Transition. Das Heidelberger Frühbehandlungszentrum wird in seiner Entwicklung und Struktur vorgestellt und die 20jährigen Erfahrungen werden diskutiert.
14:45 heure
Die Modellstation SOMOSA als interdisziplinäres Setting für die Transition
Dr. Leonhard Funk | Modellstation SOMOSA | Switzerland
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Dr. Leonhard Funk | Modellstation SOMOSA | Switzerland
Die Behandlung schwerer Adoleszenzstörungen erfordert ein hohes Mass an Sachkenntnis, Tragfähigkeit und enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.
In der Regel finden sich multiple psychische Einschränkungen, Verhaltensprobleme und soziale Schwierigkeiten. Die Betroffenen haben häufig die Hoffnung auf Besserung aufgegeben und verharren in starren Verhaltens- und Interaktionsmustern.
Die Modellstation SOMOSA ist spezialisiert auf die Intensivbehandlung von Jugendlichen mit komplexen Adoleszenzstörungen, die von den üblichen psychiatrischen und sozialpädagogischen Angeboten nicht ausreichend profitieren konnten und in ihrer Entwicklung stagnieren.
Im Beitrag werden zentrale Aspekte der Symptomatik sowie der Behandlung vorgestellt
15:00 heure
Trauma und Transkulturalität als Entwicklungsthemen der Transition
Dr. med. Fana Asefaw | ipw | Switzerland
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Dr. med. Fana Asefaw | ipw | Switzerland
Je mehr Belastungen und je weniger Ressourcen eine Person hat, umso schlechter ist ihr Gesundheitszustand.
Aus der unterschiedlichen Bilanz von Ressourcen und Belastungen entstehen sozial bedingte Unterschiede bezüglich Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Wohlbefinden. Individuelle Faktoren beeinflussen die Gesundheit. Beispielsweise kann eine bereits vorliegende Erkrankung die gesundheitliche Vulnerabilität erhöhen. Die Möglichkeit, von gesundheitsfördernden Massnahmen zu profitieren können aufgrund sozialer Benachteiligung und mangelnder Integration eingeschränkt sein. Das gesellschaftliche Umfeld beeinflusst die Gesundheit bestimmter Bevölkerungsgruppen negativ, indem es ihnen den Zugang zu materiellen, sozialen und kulturellen Ressourcen einschränkt àsozioökonomischer Status, Geschlecht, Migrationshintergrund, sexuelle Orientierung, etc.
Einer der benachteiligten Bevölkerungsgruppe aufgrund ihres sozioökonomischen Status sind Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund.
Soziale Dienste & Gesundheitswesen sind oft überfordert aufgrund Kooperationsprobleme von Seiten der Personen mit Migrationshintergrund. Massnahmen und Angebote werden nicht angenommen z.B. Frühförderung, Familienberatung, sozialpädagogische FamilienhelferInnen, Abklärungen beim sozialpsychologischen Dienst (SPD), integrative Förderung (IF) oder sonderpädagogische Förderung (SF). Mangels Dolmetschenden keine detaillierte Aufklärung vor invasiven medizinischen Eingriffen, mangelnde Psychoedukation, geringere Patientenzufriedenheit & Misstrauen gegenüber medizinischem Personal, Mangel an bedarfsgerechter und nachhaltiger Gesundheitsversorgung, Gesundheitsförderung & Prävention. In der IPW haben wir eine Kooperation gestartet mit dem Brückenbauer und Trauma Projekt mit NCBI um eine nachhaltige Versorgung zu ermöglichen. Brückenbauer:innen und Trauma - NCBI Schweiz
15:15 heure
Der Aufbau einer Transitionsstation als interdisziplinäres Projekt
Dr. med. Oliver Bilke-Hentsch | KJPD lups | Switzerland
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Dr. med. Oliver Bilke-Hentsch | KJPD lups | Switzerland
Prof. Dr. Jochen Mutschler | Luzerner Psychiatrie | Switzerland
Die Nachfrage nach psychiatrisch-psychotherapeutischen Leistungen in der Altersgruppe 12-25 ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
15:30 heure
Vom klinischen und praktischen Nutzen der modernen Soziologie für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr. med. Oliver Bilke-Hentsch | Luzerner Psychiatrie / Univ. Luzern | Switzerland
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Auteur:
Dr. med. Oliver Bilke-Hentsch | Luzerner Psychiatrie / Univ. Luzern | Switzerland
Fragestellung:
Nach dem Ende der Erwartungen an Genetik, Bildgebung, Innovation in der Pharmakotherapie und Biomarker wendet sich die Aufmerksamkeit der klinischen Psychiatrie und Psychotherapie wieder den soziologischen Grundlagen unseres Fachs zu.
Die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse der letzten 30 Jahre bilden die Grundlage und Matrix unserer aktuellen klinischen und therapeutischen Herausforderungen.
Es stellt sich die Frage, in wieweit die moderne (deutschsprachige bzw. europäische) Soziologie einen Beitrag zum Grundverständnis von Basisprozessen sozialer Räume und Entwicklungen leisten kann.
Methodik:
Die sieben aktuell am nach Auflagestärke und Zitation stärkten rezipierten und auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglichen Autoren soziologischer Provenienz werden anhand ihrer einschlägigen Basistexte mittels qualitativer Inhaltsanalyse daraufhin überprüft, ob ihre grundlegenden Konzepte für Psychiatrie und Psychotherapie nützlich und im Alltag anwendbar sein können. Die bedeutendsten Autoren (A. Reckwitz, H. Rosa, U. Beck, F. Bode, A. Ehrenberg, Ch.Kucklitz, Z. Bauman) werden anhand ihrer Hauptwerke dargestellt.
Ergebnisse:
Es zeigt sich, dass heute in der Klinik und Praxis auftauchende Phänomene (sicher verstärkt durch die Corona-Pandemie von soziologischer Seite) seit etwa 30 Jahren als Basismechanismen der gesellschaftlichen Entwicklung gesehen und erforscht werden. Die Basiskonzepte der Beschleunigung, der Angst, der Unübersichtlichkeit sowie der unkalkulierbaren gesellschaftlichen und ökologischen Risiken, stellen eine Grundlage für deren gesellschaftliche Verständnis dar. Die Lektüre der jeweiligen Hauptwerke erweitert den Horizont des therapeutisch Tätigen. Insbesondere die Arbeiten von H. Rosa erarbeitet auch interventive Ansätze (Ressourcen).
Diskussion:
In Weiter- und Fortbildung des Psychiaters und der PsychotherapeutIn sollten allseits akzeptierte soziologische Basiskonzepte auf höchstem Niveau interdisziplinär integriert werden, so dass gesellschaftliche Phänomene nicht nur anhand des medialen sondern auch des wissenschaftlichen Diskurses besser durchdrungen und verstanden werden können, um die therapeutischen Ansätze für die Patientinnen und Patienten in ihren Lebenswelten zu verbessern.