Detaillierte Beitrags-Information

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Beitragstitel Religiosität als Bindung – die Bindungsbeziehung zu Gott als «safe haven» in einem stationären psychiatrischen Patientenkollektiv
Beitragscode P12
Autoren
  1. René Hefti Forschungsinstitut FISG Vortragender
  2. Karin Ortega Sierra Klinik SGM Langenthal
  3. Verena Ernst Klinik SGM Langenthal
  4. Andreas Akert Klinik SGM Langenthal
  5. Albrecht Seiler Klinik SGM Langenthal
Präsentationsform Poster
Themengebiete
  • 04 - Nicht Störungsspezifische Therapieansätze
Abstract Hintergrund: Eine wachsende Zahl von Studien belegt die Bedeutung von Religiosität und Spiritualität als Ressourcen im therapeutischen Prozess (Koenig 2012). Das gilt insbesondere für religiöse Patienten. Die Anwendung der Bindungstheorie (Bowlby 1988) auf die Gottesbeziehung (Kirkpatrick 2005) eröffnet neue Perspektiven. Gott wird als Bindungsfigur gesehen.

Methode: Das Attachment to God Inventory (AGI) wird in der Klinik SGM Langenthal seit 2015 bei religiösen Patienten (Zentralität der Religiosität ≥ 15) eingesetzt, um die Bedeutung der Gottesbeziehung und den religiösen Bindungsstil zu erfassen. Der Bindung zu Gott kann sicher, ängstlich-ambivalent, ängstlich-vermeidend oder abweisend-vermeidend sein. Es wurden bisher 308 Patientinnen und Patienten mit dem AGI erfasst und ausgewertet.

Ergebnisse: Auf Grund der Ausprägung von Angst (M/SD = 47.26/17.52) und Vermeidung (M/SD = 42.30/13.27) können die vier Bindungstypen identifiziert werden. Zum Ein- und Austrittszeitpunkt dominiert der sichere Bindungsstil (57.1 / 64.7%), was für ein klinisch-psychiatrisches Patientenkollektiv überrascht. Der Anteil nimmt im Behandlungsverlauf zudem um 7.6% zu.

Diskussion: Der hohe Prozentsatz sicher gebundener Patientinnen und Patienten (AGI) kann im Kontext der Kompensationshypothese (Kirkpatrick 2005) als stabilisierende «Ersatzbeziehung» (safe haven) verstanden werden, die korrigierende Beziehungserfahrungen ermöglicht (Friedrich-Killinger 2014).