Detaillierte Beitrags-Information

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Beitragstitel Disentangling “Bayesian brain” theories of autism spectrum disorder
Beitragscode P17
Autoren
  1. Maya Schneebeli KJPP, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Universität Zürich Vortragender
  2. Helene Haker Translational Neuromodeling Unit (UZH und ETH Zürich)
  3. Annia Rüesch
  4. Nicole Zahnd Translational Neuromodeling Unit (UZH und ETH Zürich)
  5. Stephanie Marino
  6. Gina Paolini Clienia Privatklinik Schlössli
  7. Sandra Iglesias Translational Neuromodeling Unit (UZH und ETH Zürich)
  8. Frederike Petzschner Brown University, Providence, RI, Vereinigte Staaten
  9. Klaas Enno Stephan Translational Neuromodeling Unit (UZH und ETH Zürich)
Präsentationsform Poster
Themengebiete
  • T03 - ASD
Abstract Die Theorie, dass Wahrnehmung durch die Berechnung von Vorhersagewahrscheinlichkeiten zustande kommt ("Bayesian brain") liefert uns verschiedene Erklärungsmodelle für autistische Symptome: (1) zu präzise Sinneswahrnehmungen, (2) unpräzise Vorhersagen, (3) unflexible Vorhersagen und (4) verändertes hierarchisches Lernen. Wir testeten die genannten Hypothesen systematisch in einer Gruppe von erwachsenen Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (N=47) und einer Kontrollgruppe (N=50). Dazu wurden zwei Experimente entwickelt, in denen sich die Teilnehmer entscheiden mussten, in welche von zwei Richtungen sich zufällig bewegende Punkte sich im Durchschnitt bewegten. Anhand der Verhaltensdaten wurden Modelle mit gemischten Effekten und ein Drift-Diffusion-Modell berechnet. Entgegen der Hypothese, dass Personen mit einer ASS präzisere Sinneswahrnehmungen haben, zeigten sich keine Unterschiede der beiden Gruppen in den geschätzten Parametern des Diffusionsmodells. Wenn zusätzlich zu den Punktewolken ein Richtungshinweis gezeigt wurde, profitierten Teilnehmer mit einer ASS weniger von der Information als Kontrollen. Dies entspricht der Hypothese, dass Menschen mit einer ASS weniger präzise Vorhersagen bilden. Trotzdem konnten die Teilnehmer mit einer ASS ihre Vorhersagen über die Zeit anpassen, was der Hypothese der unflexiblen Vorhersagen widerspricht. Zuletzt konnten wir zeigen, dass Volatilität die Vorhersagen in der Gruppe mit einer ASS weniger modulierte als in der Kontrollgruppe. Dieses Ergebnis zeigt, dass die Anpassung der Vorhersage unter sich schneller verändernden Hinweisreizen (d.h. hierarchisches Lernen) in der Gruppe mit einer ASS weniger ausgeprägt ist.
Unsere Studie unterstützt die zwei miteinander kompatiblen Hypothesen, dass die Vorhersagen anhand von kontextuellen Hinweisen bei Menschen mit einer ASS unpräziser sind und dass hierarchisches Lernen verändert ist. Die Ergebnisse sprechen jedoch gegen die Hypothese der zu präzisen Sinneswahrnehmungen und gegen unflexible Vorhersagen.