Detaillierte Beitrags-Information

Zurück zur Liste

Beitragstitel Therapeutisches Drug-Monitoring von Sertralin bei Kindern und Jugendlichen: eine naturalistische Studie mit Einblicken in die klinische Wirkung bei Zwangsstörungen
Beitragscode P32
Autoren
  1. Elvira Tini Psychiatrische Universität Klinik (PUK) Zürich Vortragender
Präsentationsform Poster
Themengebiete
  • T17 - Pharmacotherapy
Abstract Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) wie Sertralin sind unbestritten die erste Wahl zur Behandlung pädiatrischer Angstzustände, Zwangsstörungen und Depressionen, wenn eine medikamentöse Behandlung notwendig ist. Aufgrund der komplexen Ätiologie psychiatrischer Störungen und der individuellen Unterschiede sind die Zusammenhänge zwischen Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, therapeutischer Wirkung und Verträglichkeit bei verschiedenen Indikationen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, jedoch nicht vollständig klar. In diesem Beitrag werden die Befunde aus einer mit Sertralin behandelten, transdiagnostischen Stichprobe (n = 78; Durchschnittsalter: 14.22 ± 2.39; Altersspanne von 7 bis 18 Jahren), die Teil des multizentrischen «TDM-VIGIL»-Projekts war, vorgestellt. Die Dosis erklärte 45 % der Varianz der Serumkonzentration. Das Gewicht und die Ko-Medikation waren negative Prädiktoren für die Höhe der Serumkonzentration. In der transdiagnostischen Analyse zeigte sich weder einen Zusammenhang zwischen der Serumkonzentration und der klinischen Wirkung noch zwischen der Serumkonzentration und den Nebenwirkungen (gemessen mit der Clinical Global Impression-Skala). Bei einer separaten Analyse der zwei grössten Diagnosegruppen stieg die Wahrscheinlichkeit einer klinischen Verbesserung bei den Patienten mit Zwangsstörung sowohl mit höheren Dosen als auch mit höheren resultierenden Serumkonzentrationen signifikant an. Für Depression wurde dieser Effekt nicht beobachtet. Die empirischen Befunde dieser Studie bestätigen klinische Beobachtungen, dass bei Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter höhere SSRI-Dosen für eine optimale Wirkung notwendig sind, die in der Regel auch gut vertragen werden. Möglicherweise hängen klinische Effekte bei Zwangsstörungen nicht nur von der kurzfristigen Verfügbarkeit von Serotonin ab, sondern von langfristigen postsynaptischen Veränderungen. Die Interpretation dieser Ergebnisse ist durch die geringe Grösse der Stichprobe und das naturalistische Design begrenzt. Das Therapeutische Drug-Monitoring hat das Potential ein Element des personalisierten Ansatzes in der Psychiatrie zu werden, besonders in Kombination mit anderen Methoden aus der Pharmakogenetik.